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Digitalfunksysteme
(TETRAPOL / TETRA) |
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TETRAPOL
Die Firma MATRA hat unter dem Namen MC 9600 ein digitales Bündelfunksystem für die französischen Polizeien Police Nationale
(ACROPOL), die Gendarmerie (RUBIS), die französische Marine
(DIDROT) sowie für die französischen
Bahnen SNCF (IRIS) entwickelt.
In Deutschland existieren verschiedene Tetrapol-Kundenprojekte wie
der Eurokai im Hamburger Hafen, die Berliner Verkehrsbetriebe, der
NATO-Awacs-Stützpunkt Geilenkirchen, der Flughafen Frankfurt,
Audi-Werke Ingolstadt und die Bayerischen Motorenwerke München.
Weitere TETRAPOL Projekte bzw. Systeme sind vorgesehen für das
Slowakische Innenministerium, die Sicherheitsbehörden der
tschechischen Republik (PEGAS), die katalanische Polizei (NEXUS),
die Polizei in Madrid (LEGACOM), die rumänischen
Sicherheitsdienste (PHOENIX) usw.
Im Zuge der Systemweiterentwicklung wurde die technische Dokumentation dieses Systems unter der Bezeichnung
TETRAPOL in weiten Teilen offen gelegt. Eine End-to-End
Verschlüsselung der zu übertragenden Nachrichten für Sprache
und Daten ist vorhanden.
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Das digitale Bündelfunksystem
TETRAPOL erfüllt die Anforderungen ziviler
Mobilfunkanwender (Bahn, Bus, Taxi, Industrie usw.) sowie von Behörden
und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (Polizei, Feuerwehr,
Zivilschutz, Sanität, Militär usw.). TETRAPOL ist ein allgemein
zugänglicher Standard und bereits in Europa, Amerika und in Asien
im Einsatz.
Dank Modularität
und geringem Bandbreitenbedarf (12.5 kHz) kann TETRAPOL auf
einfache Weise erweitert werden und so ganze Regionen oder auch Länder
mit Funkdiensten zu versorgen. Mehrere Organisationen können die
Infrastruktur unabhängig voneinander als «Closed User Groups»
benutzen. Dank der Kompatibilität, Interoperabilität und dem
automatischen Mobility Management besteht ferner die Möglichkeit,
auch kleine regionale Netze kontinuierlich in nationale zu
integrieren.
POLYCOM
Polycom nennt sich das 1998 beschlossene schweizerische Sicherheits- und
Rettungsfunknetz auf Basis des Tetrapol Standards. Weitere Informationen
>>>
RUBIS
RUBIS nennt sich das
digitale Funksystem der französischen Gendarmerie, welche 1985
entschied, dass eine
Modernisierung ihres Funksystems notwendig sei. Um hierbei
einerseits die notwendige Abhörsicherheit, andererseits aber auch
eine auf die speziellen Aufgaben von Polizei und
Sicherheitsdiensten ausgelegte Bedienung zu erreichen, plante man
gemeinsam mit dem Militär. Man einigte sich auf ein digitales
Funksystem, in dem auch Daten direkt übertragen werden können.
Die Endgeräte können im
VHF- oder UHF-Bereich arbeiten. In Frankreich verwendet man für
RUBIS zur Zeit das 4m-Band bei 70 MHz.
Die Verschlüsselung in RUBIS
arbeitet vollautomatisch und verhindert nicht nur das Mithören,
sondern auch die Unterscheidung von Gesprächen nach ihrer
Wichtigkeit. Auch der Absender ist nicht aus der Codierung zu
ermitteln. Daneben verbessert die Digitalisierung die
Verbindungsqualität und Funkreichweite. Wie im Bündelfunk finden
auch im Polizeifunk die meisten Funkverbindungen nur im lokalen
Bereich statt. Ab und zu sind aber auch landesweite Verbindungen
gefragt. Auch Gruppen- und Notrufe sind notwendig. Datenübertragung
nach X.400 ist gewünscht; das System darf sich dabei nicht auf
einen Zentralrechner abstützen, der ausfallen kann, sondern muss
mit lokal verteilter Intelligenz arbeiten. Für den Fall, dass überhaupt
keine funktionierende Basisstation in Reichweite ist, kann man die
RUBIS-Funkgeräte auch auf Direktbetrieb umschalten: in diesem
Fall wird auf die Verarbeitung durch das RUBIS-Netz verzichtet und
die Funkgeräte treten wie einfache Walkie-Talkies direkt
miteinander in Kontakt.
Wie die meisten modernen
Funktelefonsysteme ist RUBIS zellular aufgebaut; Gespräche werden
beim Verlassen einer Funkzelle an die nächste weitergereicht. Die
Basisstationen senden mit 15 W, Mobilgeräte mit 10 W und Handgeräte
mit 2 W. Damit soll eine Reichweite von ungefähr 30 km um die
Basisstation erreicht werden. Man verwendet dieselbe
GMSK-Modulation wie beim GSM-System, allerdings mit Einzelkanälen
bei einem Kanalabstand von 10 kHz und einer Übertragungsrate von
8 kBaud. Einzelne Mobil- oder
Handgeräte können vom Netz gesperrt werden; ein gestohlenes Gerät
kann also nicht benutzt werden, um ins System einzudringen.
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TETRA
TETRA (Terrestrial Trunked Radio)
ist ein weiterer europaweiter
Standard für digitalen Mobilfunk. Er eignet sich besonders
für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS), aber
auch für Sicherheits-, Transport-, Produktion-
und Energieversorgungs-Unternehmen. Moderne Digitaltechnik ermöglicht
heute den Aufbau grossflächiger Funknetze auf der Basis
zellularer Systeme. Hierbei werden die einzelnen Funkzellen
zusammengeschaltet und durch ein hierarchisches Vermittlungsnetz
verbunden.
Innerhalb eines Funknetzes sind
die Basisstationen die ortsfesten Einrichtungen, die eine
Versorgung des Abdeckungsgebiets ermöglichen. Bei TETRA werden
durch die physikalischen Parameter Zellradien von bis zu 30 km
planbar. Die Basisstationen sind über Richtfunk, Mietleitungen
oder ein eigenes Übertragungs-Leitungsnetz an die
Vermittlungsstellen angebunden.
Als volldigitales Funksystem
zeichnet sich TETRA durch hohe Übertragungsqualität und bessere
Frequenzökonomie aus. Neben der Standardübertragung von Sprache
und Daten können mit der Spezialfunktion «Packet Data
Optimized» große Datenmengen paketorientiert übertragen
werden. Damit wird die Kapazität des Funkkanals optimal genutzt.
TETRA eignet sich als universelle
Systemplattform für die unterschiedlichsten Mobilfunkdienste:
Funkruf, Bündelfunk, Telefonie, Fernwirken und Datenübertragung.
Mit TETRA lassen sich damit Universalnetze aufbauen, über die der
gesamte betriebliche Mobilfunk von Unternehmen und Behörden
abgewickelt werden kann.
TETRA ist als
Zeitmultiplex-System (TDMA = Time Division Multiple Access) mit vier
unabhängigen Kommunikationskanälen pro Träger definiert. Der
Abstand zwischen den einzelnen Trägern beträgt 25 kHz. Gegenüber
dem analogen Bündelfunk im MPT-Standard bedeutet das eine
Verdopplung der Frequenznutzung bei verbesserter Qualität.
TETRA-Systeme bieten gegenüber GSM-Netzen, die bei 200 kHz
Kanalabstand acht Kommunikationskanäle bereitstellen, die
vierfache Frequenznutzung.
Die Übertragungsrate bei TETRA
beträgt immer 36 kBit/s pro Funkkanal. Neben den zu übertragenden
Daten werden zusätzliche Steuersignale sowie Codes zur Sicherung
der Funkstrecke übertragen. Die Nutzbitrate pro
Kommunikationskanal beträgt 7,2 kBit/s. Sprache wird in einem
speziellen TETRA-CODEC umgesetzt. Der CODEC-Ausgang liefert 4,8
kBit/s, die in einem Zeitschlitz einschließlich der
Sicherungsinformationen mit 7,2 kBit/s übertragen werden.
Der Abstand zwischen Sende- und
Empfangsfrequenz beträgt 10 MHz. Für Duplex-Sprachübertragung
(Gegensprechen) wird bei TETRA das Time Division Duplex Verfahren
eingesetzt. Es vermeidet die bei GSM-Netzen erforderliche
aufwendige Filtertechnik. Die Sprache wird zeitlich so
komprimiert, dass kontinuierliche Zweiwege-Kommunikation über
zwei versetzte Zeitschlitze möglich ist.
Zur Datenübertragung im
TETRA-Netz können ein bis vier Zeitschlitze zusammengefasst
werden. Damit ist Datenübertragung bis zu 28,8 kBit/s möglich.
Mit eingeschaltetem Protokoll für höchste Datensicherheit beträgt
die Nutzrate immer noch 2,4 kBit/s.
TETRA verfügt über einen
Direktmodus, bei dem zwei oder mehr Funkgeräte unabhängig vom
Netz miteinander kommunizieren können. Auch kann ein einzelnes
Funkgerät als mobile Relaisstation für andere Geräte eingesetzt
werden. So kann ein Gerät im Fahrzeug als Relais die
Funkversorgung der Handfunkgeräte auf einem Areal sicherstellen.
Während des Direktbetriebs (DMO = Direct Mode Operation) wird ständig überwacht, ob vom Netz
Verbindungen angefordert werden.
Die Geräte wurden gemäss dem ETSI-Standard entwickelt und arbeiten in
Digitaltechnik. Grundsätzliche Vorteile des digitalen Funksystems
sind der schnelle Verbindungsaufbau, die hohe
Übertragungsqualität sowie die Abhörsicherheit.
Wichtige Merkmale der Endgeräte:
- Frequenzbereich 380 -
400 MHz
- Direktmodus
- Gruppenruf, Einzelruf,
Mithörfunktion
- Anruferidentifizierung
- Rufprioritäten
- Schneller
Verbindungsaufbau
- Gute Übertragungsqualität
- Direktverbindung zum
Telekommunikationsnetz
- Datenübertragung bis
28,8 kBit/s
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ASTRO
ASTRO ist die
Bezeichnung für digitalen Sprechfunk der Firma Motorola. Die
ASTRO Funksysteme
sind konzipiert für den Einsatz bei Sicherheitsorganisationen.
ASTRO
lässt sich bei entsprechender Synchronisation der Fixstationen
(z.B. mittels GPS) auch für den digitalen Gleichwellenfunk
einsetzen. Die von Motorola
entwickelte und hergestellte ASTRO Systemtechnologie basiert auf
dem internationalen APCO-25 Standard
Association of Public Safety Communications Officials
International (APCO) und arbeitet in der FDMA (Frequency Division Multiple Access)
Technologie.
Das System überträgt Sprache und Daten im Digitalformat (IMBE
Vocoder, QPSK-C Modulation, Vector-Sum-Excited Linear Prediction
(VSELP) mit einer Rate
von 9,6 kBit/s. Zusätzlich zur
digitalen Übermittlung können die Meldungen verschlüsselt
werden. Die Verschlüsselung ist sowohl auf der Funkstrecke, wie
auch auf den Leitungen oder Linkverbindungen voll aktiv. ASTRO
Digitalfunk ist auf VHF und UHF zu hören.
DISCO
DISCO bezeichnet das
ASCOM System für den Digitalfunk. Im Gegensatz zum ASTRO
System ist dieses für den digitalen Gleichwellenfunk nicht
geeignet.
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In der
Schweiz früher eingesetzte propritäre Digitalfunksysteme
(abgelöst durch Migration auf Polycom) |
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DISCO
(ASCOM) |
ASTRO
(Motorola) |
| Kantonspolizei
Zürich |
Kantonspolizei
Luzern |
| Kantonspolizei
Graubünden |
Kantonspolizei
Schwyz |
| Kantonspolizei
St. Gallen |
Kantonspolizei
Zug |
| Kantonspolizei
Solothurn |
Kantonspolizei
Appenzell |
| Kantonspolizei
Bern |
Kantonspolizei
Schaffhausen |
| Kantonspolizei
Basel-Stadt |
Kantonspolizei
Basel-Land |
| Stadtpolizei
Winterthur |
Kantonspolizei
Nid- und Obwalden |
 |
Stadtpolizei
St. Gallen |
 |
Stadtpolizei
Luzern |
 |
Stadtpolizei
Zürich |
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(Die
Tabelle erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit) |
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Technische Erläuterungen
Interoperabilität von
digitalen Bündelfunksystemen
Tetrapol-Systeme sind mit nach dem Standard TETRA arbeitenden
Geräten auf der Luftschnittstelle nicht kompatibel, da
-
ein anderes Kanalzugriffsverfahren (FDMA),
-
ein anderer Vocoder (RCELP) und
-
eine andere Modulation (GMSK) eingesetzt werden.
Diese Begriffe werden nachfolgend in Kurzform erklärt:
Kanalzugriffsverfahren
Der Teilnehmer im analogen Sprechfunk schaltet über den
Kanalschalter manuell seine Betriebsfrequenz. Er verfolgt den
Verkehr auf dem Funkkanal und belegt diesen selbst durch
Betätigen der Sendetaste, wenn er den Kanal als frei erkennt.
Dieses Verfahren der Kanalverwaltung über den Frequenzzugriff
wird in technisch verfeinerter und automatisierter Form auch in
Bündelfunksystemen unter der Bezeichnung FDMA (Frequency Division
Multiple Access) angewandt.
Will man eine Betriebsfrequenz gleichzeitig mehreren Teilnehmern
zuweisen, so wird dieser Kanal in Zeitschlitze aufgeteilt, jeder
Teilnehmer nutzt ein anderes dieser Übertragungselemente. Diese
Mehrfachnutzung einer Betriebsfrequenz wird TDMA (Time Division
Multiple Access) genannt. Ein sich aus dieser Technik ergebender
Vorteil ist die Möglichkeit, von einem Endgerät zeitgleich
Sprache in einem Zeitschlitz und Daten in einem anderen
Zeitschlitz zu senden bzw. zu empfangen. Ausserdem können Sende-
und Empfangssignal auf einer Frequenz in verschiedenen
Zeitschlitzen übertragen werden, wodurch ein Duplexbetrieb
zwischen zwei oder mehreren Endgeräten ohne Netzinfrastruktur und
ohne technisch hohen Aufwand im Endgerät (z.B. Duplexfilter)
ermöglicht wird.
Vocoder
Vocoder ist ein Kunstwort, das sich aus den englischen Begriffen
für Sprache, Kodierung und Dekodierung zusammensetzt und damit
die Aufgabe dieses Moduls beschreibt. Würde ein analoges
Sprachsignal mit einer bestimmten Abtastrate einfach nur in ein
digitales Signal umgewandelt, könnte die hieraus resultierende
Datenmenge niemals über einen im Durchsatz recht begrenzten
Funkkanal übertragen werden. Aus diesem Grund muss der
Digitalisierung des Sprachsignals unmittelbar eine Kompression des
Datensignals folgen. Komprimiert wird ein Signal, indem man nicht
relevante Elemente weglässt, sich ständig wiederholende Elemente
mit einer Kurzbezeichnung versieht und nur noch diese
Kurzbezeichnungen (Kodierungen) überträgt.
Das Verfahren CELP
(Code Excited Linear Prediction) ist ein effizientes
Kodierverfahren, bei dem in einem «Notizbuch»
hinterlegte Klangelemente erkannt und nur die «Notizbuchadresse» übertragen wird. Der Empfänger
benötigt zwangsläufig das gleiche Notizbuch, um das empfangene
Digitalsignal in eine dem ursprünglichen Signal möglichst
ähnliches, analoges Sprachsignal zurückzurechnen. TETRA und TETRAPOL
nutzen nicht nur verschiedene «Notizbücher»,
sondern auch andere Varianten des CELP-Verfahrens: ACELP (TETRA =
Arithmetic Code Excited Linear Prediction,) und RCELP (TETRAPOL =
Regular Code Excited Prediction),.
Modulation
Die Funkfrequenz hat die Aufgabe bei ihrer Ausbreitung im freien
Raum eine Information zum Empfänger zu transportieren. Das
bedeutet, dass die Information in einer geeigneten Form für die
Dauer des Transports mit dem Träger, der Funkfrequenz, verbunden
werden muss. In der analogen Funktechnik wird das Sprachsignal
auf die Frequenz des Trägers addiert. Die Additionseinrichtung
wird Modulator, das Modulationsverfahren Frequenzmodulation (FM)
genannt.
Im TETRAPOL-System wird das Modulationsverfahren GMSK (Gaussian
Minimum Shift Keying), in TETRA 25 (/4-DQPSK, eine mehrstufige
differentielle Phasenmodulation, eingesetzt.
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